Viele Projekte im Bahnumfeld beschäftigen sich aktuell mit neuen Zulassungen, Modernisierungen oder regulatorischen Anpassungen. Ein Punkt, der dabei leicht übersehen wird, ist die kommende Ablösung zentraler Normen für die Softwareentwicklung.
Am 30.10.2026 werden
offiziell zurückgezogen.
Ab diesem Zeitpunkt gilt:
Software, die neu begutachtet oder weiterentwickelt wird, muss nach der EN 50716 entwickelt werden.
Die EN 50716 betrachtet Software nicht isoliert, sondern konsequent im Kontext der Systementwicklung sicherheitskritischer Bahnsysteme. Gerade bei komplexen Gesamtsystemen zeigt sich, dass Softwareänderungen immer auch Auswirkungen auf Architektur, Schnittstellen und Nachweise haben. Das betrifft nicht nur Neuprojekte, sondern ganz besonders bestehende Systeme.
In der Praxis sind viele Softwareprodukte im Bahnbereich langlebig. Anwendungen, die vor fünf, zehn oder sogar mehr Jahren entwickelt wurden, laufen stabil und zuverlässig. Genau deshalb geraten sie selten in den Fokus strategischer Planung.
Typische Szenarien:
Solange sich nichts ändert, bleibt die ursprüngliche Norm oft unhinterfragt. Sobald jedoch Software weiterentwickelt oder erneut begutachtet wird, greift die neue Normenlage.
Die EN 50716 ist keine völlig neue Welt. Sie konsolidiert und harmonisiert die bisherigen Ansätze aus EN 50128 und EN 50657. Dennoch ergeben sich relevante Änderungen, insbesondere in Bezug auf:
Für Teams, die kontinuierlich nach normkonformen Prozessen entwickeln, ist der Übergang meist gut handhabbar.
Anders sieht es aus, wenn:
Besonders herausfordernd sind Projekte, bei denen Software lange unangetastet blieb und nun wieder geändert werden muss.
Typische Risiken:
In solchen Fällen reicht es selten aus, Software einfach weiterzuentwickeln. Stattdessen braucht es eine strukturierte Einordnung des Bestands im Kontext der EN 50716. Spätestens bei einer erneuten Begutachtung wird deutlich, wie eng Softwareentwicklung, Funktionale Sicherheit und Zulassungsprozesse miteinander verzahnt sind. Eine Weiterentwicklung von Bestandssoftware lässt sich daher nur dann effizient umsetzen, wenn auch die Anforderungen der Funktionalen Sicherheit sauber berücksichtigt werden.
Viele Projektteams werden den Übergang eigenständig meistern. Besonders dann, wenn:
Kritisch wird es vor allem dort, wo Wissenslücken entstanden sind oder Entscheidungen aus der Vergangenheit nicht mehr erklärbar sind.
Die Rücknahme von EN 50128 und EN 50657 ist kein theoretisches Normenthema, sondern hat ganz konkrete Auswirkungen auf reale Projekte.
Wer heute weiß,
kann den Übergang zur EN 50716 kontrolliert und ohne Zeitdruck gestalten.
Wer erst bei der nächsten Begutachtung davon überrascht wird, zahlt oft mit Verzögerungen, Zusatzaufwand oder ungeplanten Kosten.
Ein früher Blick lohnt sich – gerade bei Software, die „eigentlich schon lange fertig war“.
Unsicher beim Wechsel zu EN 50716?
In einer kostenlosen, unverbindlichen Erstberatung schauen wir gemeinsam auf Ihre bestehende Software, geplante Weiterentwicklungen und mögliche Auswirkungen auf Ihr Projekt.