Monolith modernisieren oder Microservices einführen: Wann es sich lohnt und wie Sie starten
Monolith modernisieren oder Microservices einführen: Wann es sich lohnt und wie Sie starten
Legacy-System modernisieren: Wann sind Refactoring, Softwaremodernisierung oder Neuentwicklung sinnvoll? Praxisleitfaden für Unternehmen.
Viele Unternehmen arbeiten mit Software, die über Jahre oder sogar Jahrzehnte gewachsen ist. Die Anwendungen erfüllen weiterhin ihre Aufgaben, gleichzeitig steigen jedoch die Anforderungen an Wartbarkeit, Integration, Sicherheit und Erweiterbarkeit. Neue Schnittstellen sollen angebunden werden, Prozesse verändern sich, Kunden erwarten digitale Services und bestehende Technologien erreichen das Ende ihres Lebenszyklus.
Spätestens dann stellt sich die Frage:
Soll die bestehende Software modernisiert werden, reicht ein Refactoring aus oder ist eine vollständige Neuentwicklung der bessere Weg?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Die richtige Strategie hängt von der bestehenden Architektur, den fachlichen Anforderungen und den langfristigen Zielen des Unternehmens ab.
Der Begriff Legacy-System wird häufig für Software verwendet, die bereits lange im Einsatz ist und auf älteren Technologien basiert. Dabei handelt es sich nicht zwangsläufig um schlechte Software. Viele Legacy-Systeme bilden geschäftskritische Prozesse zuverlässig ab und enthalten Fachlogik, die über viele Jahre entwickelt und optimiert wurde.
Typische Beispiele sind:
Oft besteht die Herausforderung nicht darin, dass die Software ihre Aufgaben nicht mehr erfüllt. Vielmehr wird es zunehmend aufwendig, Änderungen umzusetzen, neue Technologien anzubinden oder geeignete Entwickler zu finden.
Die Gründe für eine Modernisierung unterscheiden sich von Unternehmen zu Unternehmen. In vielen Projekten treten jedoch ähnliche Herausforderungen auf.
Technologische Abhängigkeiten
Mit zunehmendem Alter einer Anwendung entstehen Abhängigkeiten von Frameworks, Bibliotheken oder Betriebssystemen, die nicht mehr aktiv weiterentwickelt werden. Dadurch steigen Aufwand und Risiko bei Wartung und Weiterentwicklung.
Typische Beispiele sind:
Neue fachliche Anforderungen
Software wird häufig für Anforderungen entwickelt, die zum Zeitpunkt ihrer Entstehung relevant waren. Mit neuen Produkten, Dienstleistungen oder Geschäftsmodellen ändern sich jedoch auch die Anforderungen an die Anwendung. Funktionen, die ursprünglich ausreichend waren, stoßen mit der Zeit an ihre Grenzen.
Integration in moderne Systemlandschaften
Unternehmen arbeiten heute selten mit isolierten Anwendungen. ERP-Systeme, Cloud-Plattformen, mobile Anwendungen und externe Dienste müssen miteinander kommunizieren. Viele Legacy-Systeme wurden ursprünglich nicht für diese Art der Integration entwickelt.
Betrieb und Wartung
Mit steigender Komplexität wächst häufig auch der Aufwand für Änderungen. Neue Funktionen benötigen mehr Entwicklungszeit, Releasezyklen werden länger und die Fehlersuche wird aufwendiger.
Grundsätzlich gibt es vier mögliche Strategien:
Welche Variante sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Ausgangssituation ab.
Nicht jedes Legacy-System muss sofort modernisiert werden. Wenn die Anwendung stabil läuft, die Anforderungen erfüllt und keine wesentlichen Risiken bestehen, kann ein Weiterbetrieb durchaus sinnvoll sein. Voraussetzung ist jedoch, dass technische und organisatorische Risiken regelmäßig bewertet werden.
Dazu gehören beispielsweise:
Refactoring bezeichnet die Überarbeitung des Quellcodes, ohne die fachliche Funktionalität zu verändern. Ziel ist es, die Wartbarkeit, Lesbarkeit und Qualität des Codes zu verbessern.
Refactoring eignet sich insbesondere dann, wenn:
Vorteile
Grenzen
Refactoring löst nicht alle Probleme. Wenn die zugrundeliegende Architektur oder die eingesetzten Technologien grundsätzliche Einschränkungen verursachen, reicht eine reine Codebereinigung häufig nicht aus.
Softwaremodernisierung geht über klassisches Refactoring hinaus. Neben dem Quellcode werden dabei häufig auch Architektur, Technologien und Integrationsmöglichkeiten weiterentwickelt.
Typische Maßnahmen sind:
Ziel ist es, die bestehende Fachlogik möglichst zu erhalten und gleichzeitig die technische Grundlage zu erneuern.
Replatforming
Die Anwendung wird auf eine neue technische Plattform übertragen, ohne die Fachlogik grundlegend zu verändern.
Rearchitecting
Die Architektur wird gezielt weiterentwickelt, beispielsweise durch die Aufteilung eines Monolithen in klar strukturierte Komponenten.
Modularisierung
Einzelne Funktionsbereiche werden voneinander getrennt, um Wartung und Weiterentwicklung zu vereinfachen.
Bestehende Anwendungen werden für den Betrieb in modernen Cloud-Umgebungen vorbereitet.
In manchen Fällen ist eine vollständige Neuentwicklung die sinnvollste Lösung.
Dies gilt insbesondere dann, wenn technische und fachliche Anforderungen so stark von der bestehenden Lösung abweichen, dass eine Modernisierung wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll ist.
Eine Neuentwicklung bietet maximale Gestaltungsfreiheit, bringt aber auch Herausforderungen mit sich.
Dazu gehören:
Insbesondere bei langjährig genutzten Anwendungen wird häufig unterschätzt, wie viel Fachwissen tatsächlich im bestehenden System enthalten ist.
Die Entscheidung sollte nicht ausschließlich auf Basis der eingesetzten Technologie getroffen werden. Wichtige Faktoren sind:
|
Kriterium |
Refactoring |
Modernisierung |
Neuentwicklung |
|
Bestehende Fachlogik |
weitgehend unverändert |
bleibt erhalten |
wird neu umgesetzt |
|
Technologiewechsel |
gering |
mittel |
hoch |
|
Projektrisiko |
gering |
mittel |
hoch |
|
Aufwand |
gering bis mittel |
mittel |
hoch |
|
Time-to-Market |
kurz |
mittel |
lang |
|
Veränderung für Anwender |
gering |
mittel |
hoch |
In vielen Projekten zeigt sich, dass eine schrittweise Modernisierung einen guten Mittelweg zwischen Aufwand, Risiko und Nutzen darstellt.
Bevor über Refactoring, Modernisierung oder Neuentwicklung entschieden wird, sollte die bestehende Lösung analysiert werden.
Ein typisches Vorgehen umfasst:
Analyse der bestehenden Anwendung
Architekturaufnahme
Erfassung der aktuellen Systemlandschaft und Identifikation kritischer Komponenten.
Zielbild definieren
Festlegung der technischen und fachlichen Anforderungen an die zukünftige Lösung.
Migrationsstrategie entwickeln
Definition eines realistischen und wirtschaftlichen Vorgehens.
Schrittweise Umsetzung
Modernisierung einzelner Komponenten bei laufendem Betrieb.
Test und Übergabe
Validierung der Funktionen und kontrollierte Einführung der neuen Lösung.
Wie KI bei der Modernisierung unterstützen kann
Künstliche Intelligenz kann Modernisierungsprojekte an verschiedenen Stellen unterstützen.
Dazu gehören beispielsweise:
KI ersetzt dabei keine technische Analyse, kann aber den Aufwand bei der Aufarbeitung gewachsener Systeme reduzieren.
Nicht jedes Legacy-System muss ersetzt werden. Nicht jede Anwendung lässt sich sinnvoll durch Refactoring modernisieren. Die passende Strategie hängt von der bestehenden Software, den fachlichen Anforderungen und den langfristigen Zielen des Unternehmens ab. Deshalb steht am Anfang erfolgreicher Modernisierungsprojekte meist keine Technologieentscheidung, sondern eine fundierte Analyse der vorhandenen Anwendung. Erst auf dieser Grundlage lässt sich bewerten, ob Refactoring, Modernisierung oder eine Neuentwicklung der wirtschaftlich und technisch sinnvollste Weg ist.
Ein Legacy-System ist eine bestehende Softwarelösung, die häufig seit vielen Jahren im Einsatz ist und auf älteren Technologien basiert.
Eine Modernisierung kann sinnvoll sein, wenn Wartungskosten steigen, neue Anforderungen nur schwer umsetzbar sind oder technologische Abhängigkeiten Risiken verursachen.
Refactoring verbessert die interne Codequalität ohne Änderung der Funktionalität. Eine Modernisierung umfasst häufig zusätzlich Architektur, Technologien und Schnittstellen.
Eine Neuentwicklung kann sinnvoll sein, wenn die bestehende Architektur grundlegende Einschränkungen verursacht oder sich die fachlichen Anforderungen stark verändert haben.
Die Dauer hängt von Umfang, Komplexität und Zielbild ab. Sie kann von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren reichen.
Zu den häufigsten Risiken zählen die unvollständige Übernahme bestehender Fachlogik, Datenmigration, lange Projektlaufzeiten und hohe Umstellungsaufwände.
Monolith modernisieren oder Microservices einführen: Wann es sich lohnt und wie Sie starten
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