Wie SECIRA Unternehmen bei CRA, IEC 62443 und der Maschinenverordnung unterstützt
Vier EU-Regularien, ein gemeinsames Ziel: ganzheitliches Risikomanagement. Der Leitartikel zeigt, wie SECIRA Risikoanalyse übergreifend strukturiert...
Wie funktioniert eine CRA Risikoanalyse nach harmonisierten Normen? Produktkontext, Schwachstellenbewertung, Risikomatrix & Lebenszyklus praxisnah erklärt.
Der Cyber Resilience Act verpflichtet Hersteller, Importeure und Händler dazu, Produkte mit digitalen Elementen cybersicher zu entwickeln, bereitzustellen und über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu begleiten. Im Zentrum steht dabei die Security-Risikoanalyse.
Sie ist nicht nur ein einzelner Arbeitsschritt. Sie ist die Grundlage dafür, Schwachstellen zu bewerten, Maßnahmen abzuleiten, technische Dokumentation zu erstellen und die Konformitätsbewertung vorzubereiten.
Gerade deshalb lohnt sich ein genauer Blick darauf, wie eine Risikoanalyse im CRA-Kontext aufgebaut sein muss und welche Rolle harmonisierte Normen dabei spielen.
Der CRA fordert, dass Produkte mit digitalen Elementen ein angemessenes Cybersicherheitsniveau erreichen. Außerdem sollen Produkte ohne bekannte ausnutzbare Schwachstellen auf dem Markt bereitgestellt werden.
Damit wird die Risikoanalyse zum zentralen Instrument. Sie hilft dabei zu beurteilen:
Eine Schwachstelle in einer Softwarebibliothek ist nicht automatisch in jedem Produkt praktisch ausnutzbar. Entscheidend ist der Kontext: Wie ist das Produkt aufgebaut? Welche Schnittstellen gibt es? Wie ist die Betriebsumgebung? Welche Schutzmaßnahmen bestehen bereits?
Genau diese Bewertung kann nicht losgelöst vom Produkt erfolgen.
Viele Unternehmen starten beim CRA zunächst mit klassischen Schwachstellen-Scannern oder einer Software Bill of Materials (SBOM). Dadurch wird sichtbar, welche bekannten Schwachstellen sich innerhalb eines Produktes befinden. Genau an diesem Punkt endet jedoch häufig die rein technische Betrachtung.
Der CRA fordert nicht nur die Identifikation bekannter Schwachstellen, sondern deren Bewertung im konkreten Produktkontext.
Denn dieselbe Schwachstelle kann je nach Systemumgebung zu völlig unterschiedlichen Risiken führen. Entscheidend ist unter anderem:
Erst die Kombination aus Schwachstelle, Systemkontext und realem Angriffspfad entscheidet darüber, ob eine Schwachstelle tatsächlich ausnutzbar wird.
Genau deshalb wird die Risikoanalyse im CRA zu einem zentralen Bestandteil der Konformitätsbewertung.
Der CRA basiert auf dem Konzept des New Legislative Framework. Dabei spielen harmonisierte Normen eine wichtige Rolle.
Harmonisierte Normen sind technische Standards, die im EU-Amtsblatt veröffentlicht werden. Ihre Anwendung ist rechtlich nicht verpflichtend. Wer sie anwendet, kann jedoch von einer widerlegbaren Konformitätsvermutung profitieren.
Das bedeutet: Die Anwendung harmonisierter Normen kann es erleichtern, nachzuweisen, dass die Anforderungen aus dem CRA erfüllt werden. Werden sie nicht angewendet, muss auf anderem Weg gezeigt werden, dass die Anforderungen eingehalten werden.
Für den CRA befinden sich aktuell zahlreiche Standards in Entwicklung. Unterschieden wird dabei zwischen produktunabhängigen horizontalen Standards und produktbezogenen vertikalen Standards. Zu den produktunabhängigen Standards gehört auch der Entwurf EN 40000 1 2, der unter anderem Anforderungen an Risk Management Elements beschreibt.
Der Entwurf zur EN 40000 1 2 beschreibt kein starres Verfahren nach einem einzelnen bestehenden Standard. Stattdessen werden Rahmenbedingungen beschrieben, die eine Risikoanalyse erfüllen muss.
Dazu gehören insbesondere:
Die Methodik muss so gewählt werden, dass sie konsistent über den gesamten Lebenszyklus angewendet werden kann. Die Ergebnisse müssen vergleichbar bleiben. Es hilft wenig, heute eine Methode zu nutzen und in drei Jahren eine andere, wenn sich die Risikoniveaus dann nicht mehr sinnvoll gegenüberstellen lassen.
Außerdem muss die Methodik zum Produkt passen, den Stand der Technik widerspiegeln und individuelle sowie aggregierte Risiken betrachten.
Bevor Risiken bewertet werden, muss der Produktkontext festgelegt werden. Dazu gehört die Zweckbestimmung des Produktes.
Relevant sind unter anderem:
Wichtig ist dabei die vernünftigerweise vorhersehbare Verwendung. Diese kann auch eine Nutzung umfassen, die nicht ausdrücklich in der Anleitung beschrieben ist, aber nach menschlichem Verhalten erwartbar ist.
Nicht berücksichtigt werden muss dagegen die vorhersehbare Fehlanwendung.
Nach dem Produktkontext wird die Methodik der Risikobewertung festgelegt. Dabei müssen Risikoakzeptanzkriterien definiert werden.
Ein Beispiel dafür ist eine Risikomatrix. Sie verbindet Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung. Daraus ergeben sich Risikokategorien. Über eine Risikoakzeptanzschwelle wird festgelegt, welche Risiken akzeptiert werden können und welche behandelt werden müssen.
Einflussfaktoren für diese Akzeptanzkriterien können sein:
Risiken unterhalb der Akzeptanzschwelle können akzeptiert werden. Sie müssen dennoch dokumentiert werden. Risiken oberhalb der Schwelle müssen behandelt werden.
Bei der Durchführung der Risikoanalyse werden zunächst Assets und Schutzziele identifiziert. Anschließend werden Bedrohungen betrachtet.
Dabei geht es um Fragen wie:
Aus Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung ergibt sich das Risiko. Danach wird bewertet, ob dieses Risiko akzeptiert werden kann oder behandelt werden muss.
Dieser Schritt ist auch für die Bewertung von Schwachstellen entscheidend. Wenn eine Schwachstelle bekannt wird, muss bewertet werden, ob und wie sie im konkreten Produkt ausnutzbar ist.
Wenn ein Risiko oberhalb der definierten Akzeptanzschwelle liegt, muss es behandelt werden. Das kann unterschiedliche Maßnahmen betreffen, zum Beispiel technische Anpassungen, Konfigurationsänderungen oder andere Schutzmaßnahmen.
Nach der Bewertung und Behandlung muss das Ergebnis dokumentiert werden. Die Risikoanalyse gehört in die technische Dokumentation des CRA. Sie muss nicht allen Nutzern offengelegt werden, ist aber für den Hersteller selbst und gegebenenfalls für die Marktüberwachungsbehörde relevant.
Risikoanalysen können veralten. Das kann verschiedene Gründe haben:
Auch wenn keine dieser konkreten Bedingungen eintritt, muss definiert werden, was eine regelmäßige Aktualisierung bedeutet. Der CRA verlangt, dass die Risikoanalyse über den Unterstützungszeitraum aktuell gehalten wird.
In SECIRA wird die Risikoanalyse über einen digitalen Zwilling unterstützt. Das Produkt wird mit seinen Komponenten, Eigenschaften, Schnittstellen und Zusammenhängen modelliert.
Im Webinar wurde dies anhand einer Fertigungsstraße mit Laserschneidemaschine gezeigt. Im Modell wurden unter anderem technische Komponenten, Schnittstellen und Protokolle abgebildet. Die Laserschneidemaschine hatte beispielsweise eine Webschnittstelle und nutzte MQTT. Für die Webschnittstelle war im Beispiel keine Transportverschlüsselung konfiguriert.
Aus dem Modell kann automatisch ein Angriffsbaum abgeleitet werden. Dieser zeigt, über welche Wege ein Angreifer ein System erreichen oder beeinträchtigen könnte. Dabei wird nicht nur die technische Komponente betrachtet, sondern auch die Umgebung.
Im Beispiel wurde unter anderem betrachtet:
SECIRA ermöglicht es, Maßnahmen in Iterationen zu betrachten. So kann sichtbar gemacht werden, wie sich Risiken durch einzelne Maßnahmen verändern.
Im Beispiel wurden zunächst Softwaremaßnahmen betrachtet, etwa die Absicherung einer Webschnittstelle durch Verschlüsselung. Dadurch konnte die Eintrittswahrscheinlichkeit bestimmter Risiken reduziert werden.
In einer weiteren Iteration wurden physische Schutzmaßnahmen betrachtet, etwa ein Schloss an der Tür der Produktionshalle. Diese Maßnahme wirkt nicht nur auf eine einzelne Komponente, sondern auf alle Komponenten, die sich in der Halle befinden.
So wird erkennbar, welche Maßnahmen welches Risiko senken und ob weitere Schritte notwendig sind, um unter die definierte Akzeptanzschwelle zu kommen.
Die CRA-Risikoanalyse ist kein formaler Nachweis am Ende eines Projekts. Sie ist ein zentrales Werkzeug, um Schwachstellen zu bewerten, Maßnahmen zu priorisieren und ein angemessenes Sicherheitsniveau über den Lebenszyklus eines Produktes nachzuweisen.
Harmonisierte Normen können dabei helfen, die Anforderungen strukturiert umzusetzen und die Nachweisführung zu erleichtern. Entscheidend bleibt aber, dass die Risikoanalyse den konkreten Produktkontext berücksichtigt: Zweckbestimmung, Nutzer, Betriebsumgebung, Schnittstellen, Assets, Schutzziele und Bedrohungen.
Nur so lässt sich beurteilen, ob eine Schwachstelle im konkreten Produkt tatsächlich ausnutzbar ist und welche Maßnahmen erforderlich sind. Mehr zum Thema Risikoanalyse und harmonisierte Normen im Kontext vom CRA finden Sie auch in unserem Webinar.
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